Von Medhat Klada

Am 1. August feiert die Schweiz ihren Nationalfeiertag – den Jahrestag der Gründung der Schweizer Eidgenossenschaft im Jahr 1291. Damals schlossen sich Menschen unterschiedlicher Sprachen und Kulturen zusammen, um ein Land zu schaffen, das auf Freiheit, Zusammenhalt und Rechtsstaatlichkeit basiert. Seitdem hat sich die Schweiz zu einem einzigartigen Vorbild entwickelt: ein kleines Land mit großen Werten, starken Institutionen, einer gefestigten Demokratie und einer der erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt.

Für mich ist dieser Tag weit mehr als ein offizieller Feiertag. Er ist ein Tag der Dankbarkeit gegenüber einem Land, das mich seit mehr als 33 Jahren aufgenommen und mir ein neues Zuhause gegeben hat.

Als ich in die Schweiz kam, war ich allein. Ich brachte meine Hoffnungen und Träume mit und suchte nach einer Chance auf ein würdiges Leben. Heute, nach all diesen Jahren, blicke ich voller Dankbarkeit auf das größte Geschenk meines Lebens: eine liebevolle Familie – meine Frau und unsere drei Kinder –, die in einem Land aufwachsen durften, das ihnen Sicherheit, Stabilität, eine hervorragende Bildung und faire Chancen für ihre Zukunft bietet.

Die Schweiz hat mir weit mehr gegeben als eine Aufenthaltsbewilligung oder später die Staatsbürgerschaft. Sie hat mir das Gefühl vermittelt, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Hier wird niemand nach seiner Religion, seiner Herkunft oder seinem Namen beurteilt, sondern als Mensch respektiert. Vor dem Gesetz sind alle gleich, und die Würde jedes Einzelnen wird geschützt.

In der Schweiz habe ich gelernt, dass Zeit ein kostbares Gut ist, das Arbeit Würde verleiht und dass jede ehrliche Arbeit Anerkennung verdient. Der Wert eines Menschen wird nicht nach seinem Beruf bemessen, sondern nach seinem Charakter, seiner Integrität und seinem Beitrag zur Gesellschaft.

Besonders beeindruckt mich bis heute das Schweizer Bildungssystem, das ich zu den besten der Welt zähle. Es vermittelt nicht nur Wissen, sondern formt Persönlichkeiten.

Kinder lernen von klein auf Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Disziplin, Respekt und Selbstständigkeit. Sie lernen, dass Erfolg durch Fleiß entsteht und nicht durch Täuschung. Respekt gegenüber Lehrpersonen gehört selbstverständlich zum Schulalltag, und Schule ist kein Ort, den man meiden möchte, sondern ein Ort, an dem Zukunft gestaltet wird.

Ebenso beeindruckend ist die Chancengleichheit. Alle Schülerinnen und Schüler erhalten die gleichen Möglichkeiten und werden entsprechend ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen gefördert – unabhängig von Religion, Herkunft oder sozialem Hintergrund. Leistung, Engagement und Charakter sind die Maßstäbe, nach denen junge Menschen beurteilt werden.

Aus meiner persönlichen Erfahrung habe ich die staatliche Neutralität und den Respekt gegenüber religiöser Vielfalt besonders schätzen gelernt. Religionsfreiheit ist in der Schweiz nicht nur ein verfassungsmäßiges Recht, sondern gelebter Alltag. Menschen verschiedener Glaubensrichtungen leben friedlich miteinander, getragen von gegenseitigem Respekt und der Überzeugung, dass die Würde des Menschen über allen Unterschieden steht.

Auch die direkte Demokratie der Schweiz erfüllt mich mit großer Bewunderung. Sie gibt den Bürgerinnen und Bürgern eine echte Stimme bei wichtigen Entscheidungen und schafft Vertrauen zwischen Staat und Bevölkerung. Dieses Vertrauen ist eine der tragenden Säulen des Erfolgs der Schweiz.

Ebenso bewundere ich die Stärke der Schweizer Wirtschaft. Obwohl das Land klein ist und nur über wenige natürliche Ressourcen verfügt, gehört es zu den erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt. Möglich wurde dies durch Investitionen in Bildung, Forschung, Innovation, Qualität, Disziplin und den verantwortungsvollen Umgang mit Zeit. Die Schweiz beweist, dass der Mensch die wertvollste Ressource eines Landes ist.

Nicht zuletzt begeistert mich die unvergleichliche Schönheit der Schweiz: die majestätischen Alpen, die klaren Seen, die grünen Wiesen, die malerischen Dörfer und die gepflegten Städte. Es ist ein Land, dessen natürliche Schönheit durch Ordnung, Sauberkeit und Verantwortungsbewusstsein bewahrt wird.

Ich bin stolz darauf, die Schweizer Staatsbürgerschaft erhalten zu haben. Sie ist für mich eine große Ehre und Ausdruck meiner Verbundenheit mit einem Land, das mir Sicherheit, Chancen und ein würdevolles Leben ermöglicht hat.

Gleichzeitig bleibt meine ägyptische Herkunft ein untrennbarer Teil meiner Identität. Ägypten ist das Land meiner Geburt, meiner Wurzeln und meiner Geschichte. Meine Liebe zur Schweiz schmälert keineswegs meine Liebe zu Ägypten. Im Gegenteil – sie hat mich gelehrt, jedem Land dankbar zu sein, das einem Menschen Würde, Hoffnung und eine Zukunft schenkt.

Im Laufe meines Lebens habe ich erkannt, dass Heimat weit mehr ist als ein Stück Land oder ein Reisepass. Heimat ist der Ort, an dem man sich selbst und seine Familie sicher weiß. Der Ort, an dem man ohne Angst vor Diskriminierung oder Ausgrenzung leben kann. Der Ort, an dem das Recht für alle gleichermaßen gilt, an dem Gerechtigkeit keine Ausnahme, sondern Selbstverständlichkeit ist und an dem die Würde jedes Menschen geachtet wird – unabhängig von Religion, Herkunft oder Namen.

Heimat ist dort, wo man sich zugehörig fühlt. Wo Kinder ihre Träume verwirklichen können. Wo gleiche Chancen, gegenseitiger Respekt und Menschlichkeit den Alltag prägen.

Deshalb werde ich der Schweiz stets dankbar sein – dem Land, das mich aufgenommen hat, das mir Sicherheit und Stabilität schenkte und in dem ich meine Familie gründen durfte. Hier konnten meine Kinder in einem der besten Bildungssysteme der Welt aufwachsen, in einer Gesellschaft, die den Menschen als ihre wertvollste Ressource betrachtet.

Alles Gute zum Schweizer Nationalfeiertag! Möge die Schweiz weiterhin ein freies, sicheres und erfolgreiches Land bleiben – ein Vorbild für Demokratie, Gerechtigkeit und Menschlichkeit.

Mit meiner aufrichtigen Liebe, meinem Respekt und meiner tiefen Dankbarkeit an die wunderschöne Schweiz.